Allans Nachfolgerin kommt aus Südafrika

©jennys bücherecke

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Es ist die Begegnung mit einem alten Bekannten. Vom ersten Satz an klingt mir der vertraute Tonfall des Hundertjährigen in den Ohren. Jonas Jonasson hat nachgelegt: Auch für „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ hält sich der Schwede an sein bewährtes Bestsellerrezept. Er verwickelt seine Figuren in die großen Ereignisse des 20. Jahrhunderts, dafür lässt er sich allerhand absurde Kniffe einfallen – dazu gehört eine südafrikanische Atombombe, die eigentlich nicht existiert und die in Schweden landet. Ich hätte wahrlich eine schlechtere Wahl treffen können, um meine Funkstille zu beenden.

Seinen zweiten Roman beginnt Jonasson in Südafrika. Nombeko ist ein erstaunliches Mädchen. Sie ist gewitzt, lebensfroh – trotz der widrigen Bedingungen, unter denen sie aufwächst – und sie hat ein Faible für Zahlen. Sie erobert die Leserherzen im Sturm, auch meines. Zu ihr habe ich auch tatsächlich einen schnelleren Zugang gefunden als zu Jonassons Hundertjährigem Allan Karlsson. Schwer beeindruckt mich ihr konsequenter Gebrauch von Scheren. Sie sind eben nicht nur zum Schneiden gut. Neugierig geworden? Tja, da hilft nur lesen!

Wie in seinem Erstling verknüpft Jonasson das Leben eines Underdogs mit den großen Ereignissen des 20. Jahrhunderts. Nombeko stammt aus dem größten Slums Südafrikas. Sie wird früh zur Waise und verdient ihren Lebensunterhalt als Latrinenträgerin: Sie transportiert Scheiße und steigt dennoch zur Botschafterin auf. Dazwischen liegt eine abgedrehte Geschichte, die ihre Längen hat. Das schmälert ein wenig das Lesevergnügen. Aber wirklich nur ein wenig.

Wie schon beim Hundertjährigen spielt der Bau einer Atombombe eine zentrale Rolle. Natürlich hat Nombeko ihre Hände im Spiel – gerade auch, als es darum geht, die nichtexistente Atombombe von Südafrika nach Schweden zu schaffen. Das ist wohl auch der Grund für die Längen: Nombeko steckt einfach furchtbar lange mit der Atombombe in der schwedischen Provinz fest, wo sie zwar die Liebe findet, ein erfolgreiches Unternehmen aufbaut und einer Gräfin begegnet, aber im Vergleich zum Lebenslauf des Hundertjährigen erscheint Nombekos etwas unspektakulär – obwohl sie auf einer Atombombe hockt. Selbst die israelischen Mossadagenten, die sich an ihre Fersen heften, können die Geschichte nicht beschleunigen.

Dennoch kommt das Lachen und Schmunzeln auch bei Jonassons Zweitling nicht zu kurz. Dafür sorgen der Königshasser Ingmar, die beiden Holgers, die anarchistische Celestine. Und wie beim Hundertjährigen kann es sich Jonasson nicht verkneifen, für seine Figuren, die man durch den gesamten Roman begleitet hat, alles zum Guten zu wenden. Das ist einfach herzerwärmend, auch wenn das Ende ein wenig Holter, die Polter daherkommt. Länger hinauszögern hätte er es auch nicht dürfen. Und ein zweites Mal hat es der Schwede geschafft, nicht eine Silbe lang von seinem lakonischen, ironischen Tonfall abzuweichen. Wie schon beim Erstling ist das Jonassons große Stärke. Auch wenn mich wohl ein dritter Roman in der gleichen Konstruktion nicht mehr reizen wird. Doch, Nombeko hat mir gefallen.

 Jonas Jonasson, Die Analphabetin, die rechnen konnte, carl’s books

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