Das Ende hochfliegender Pläne

Pläne sind wohl mehr dazu da, sie über den Haufen zu werfen, denn sie Realität werden zu lassen. Ich muss an dieser Stelle bekennen, dass ich Tellkamps Turm zum dritten Mal abgebrochen habe. Diesmal allerdings gezwungenermaßen. Meine schwächelnden Augen machen mir das Lesen seit einiger Zeit maßlos schwer, nahezu unmöglich. Weil das gerade so anstrengend und ermüdend und wenig lustvoll ist, habe ich das Lesen eingestellt. Ganz ohne Bücher kann aber dann doch nicht leben. Zum Glück gibt es ja Hörbücher – und es werden immer mehr, die obendrein von wahsinnig guten Sprechern gelesen werden. Den Anfang habe ich mit einem guten alten Bekannten gemacht: Rufus Beck. Seine Lesung von Harry Potter ist einfach unglaublich. Es beeindruckt mich einfach immer wieder, wie wandelbar Becks Stimme ist, wie geschickt er mit Dialekten, Stimmlage und Tonfall arbeitet, um jedem Charakter eine unverwechselbare Stimme zu geben. Viel mehr Worte will ich über die Potter-Reihe nicht verlieren: Wer den kleinen Zauberlehrling jetzt noch nicht kennt und ins Herz geschlossen hat, dem ist nicht zu helfen. Oder ist einfach noch zu jung zum Lesen, aber wenn er dessen erstmal mächtig ist, wird er schon Harrys Bekanntschaft schließen.

Es gibt aber einen, den ich noch lieber höre: Andreas Fröhlich. Er hat eine so wundervolle, dunkle, satte Stimme, dass ich ihm sogar mit Vergnügen stundenlang lauschen würde, wenn er das BGB liest.

Was mir allerdings aufgefallen ist, dass man beim Hören ähnlich bei der Sache sein muss wie beim Lesen selbst, ansonsten lässt man sich nur berieseln. Klar, nebenbei Abwaschen geht. Richtig gut macht’s sich, ein Hörbuch einzulegen, während man sich über die Bügelwäsche hermacht. Aber hören, während man irgendwelchen Papierkram sortiert. Vergesst es! Dabei geht zu viel Aufmerksamkeit flöten.

Mein erster Gedanke war ja, gut, wenn ich also mein Mammutprojekt nicht zu Ende lesen kann, lasse ich es mir zu Ende vorlesen. Leider hat die Bücherei meines Vertrauens, den Turm nicht in der Hörbuchfassung auf Lager. Was mich nicht sonderlich überraschte, Tellkamp gehört gewiss nicht zu den besonders häufig ausgeliehenen Autoren. Und irgendwie war und ist mir, nachdem ich Harry den Vortritt gelassen hatte, doch immer noch nach Realitätsflucht. Also nach deutlich leichtgewichtiger Unterhaltung, die mich ablenkt von meiner deprimierenden Gegenwart. Eine ganze Weile habe ich auch gedacht, ich würde meinen Blog ruhen lassen. Doch ich habe immer noch Lust, meine Gedanken zum Gehörten zu teilen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in randnotiz. Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>