Den Sturmkönigen geht die Puste aus

Glutsand bildet den Abschluss der Meyerschen Sturmkönige-Trilogie. Solide ist sie konstruiert und geschrieben. Mit einer irrwitzigen Idee, die den über die drei Bände ausgebreiteten Schlamassel auflöst. Nicht in gänzlichen Wohlgefallen. Das ist ungewöhnlich genug. Dennoch bleibt die unumstößliche Tatsache, dass die Sturmkönige es nicht mehr der Klasse der Wellenläufer aufnehmen können. Die Sturmkönige zielen von ihrem Figurenensemble definitiv auf ein älteres, der Pubertät entwachsenes Publikum, ohne sich gänzlich der für Fantasy-Literatur so lebenswichtigen Leserschar zu entfremden. Doch stilistisch heben sich die Sturmkönige nicht wirklich von den Wellenläufer ab.

Fraglos muss man Meyer zugute halten, dass er es schafft, fantastische Geschichten ohne Orks, Elfen und Vampire zu erzählen. Er ist auch keiner, der berechnend kopiert und versucht, auf den geraden aktuellen Erfolgszug der Zauberlehrlinge oder Vampire oder Engel aufzuspringen. Meyer entwirft seine eigenen Universen. Er greift die angestaubten Geschichten von fliegenden Teppichen, Ali Baba, den Flaschengeister und dem wundersamen Orient auf und transponiert fürs gegenwärtige Publikum. Und das macht er gut. Er hat ein paar tolle Ideen und scheut sich nicht, altbekannte Märchen umzukrempeln. Und er scheut sich nicht, waghalsige philosophische Weltanschauungen von der Welt in der Welt mit den alten Sagen zu verknüpfen. Das ist der große Clou hinter den Sturmkönigen.

Doch die Figuren, die Meyer versammelt, kommen einem allzu bekannt vor. Tarik, der gequälte Held wider Willen. Sabatea, mit allen Wassern gewaschene Geliebte, die ihr Gewissen entdeckt. Junis, der kleine Bruder, der erkennen muss, dass die Welt in vielen Grautönen gezeichnet ist. Der nützliche Magier Khalis, der seine eigenen Ziele verfolgt. Almarik, der irgendwie konturenlos bleibende Gegenspieler. Und so bleibe ich im Fall der Sturmkönige dabei, dass weniger manchmal mehr ist. Es hätte keine Trilogie sein müssen. Die Handlung auf zwei Bände zu straffen, hätte der Geschichte gut getan, durch die ich mich stellenweise doch geschleppt habe. Immerhin schafft es Meyer soviel Spannung zu aufrechtzuerhalten, dass ich wissen will, wie es ausgeht.

Mein liebster Meyer bleiben also die Wellenläufer. Die sind ein Muss, die Sturmkönige ein Kann.

Kai Meyer, Die Sturmkönige – Glutsand, Gustav Lübbe Verlag

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