Der Zauber ist dahin

© jennys bücherecke

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Alles begann so traumhaft: Vier oder fünf Jahre muss es her sein, dass ich Bekanntschaft mit Ash, Seth und Keenan schloss. “Gegen das Sommerlicht” heißt der erste Band aus Melissa Marrs Elfenreihe, eine Ende noch nicht in Sicht. Das ist nie gut. Jedenfalls hatte mich Melissa Marr ganz schnell gebannt mit ihrer wunderbaren Erzählweise, ihren liebevoll ausgestalteten Figuren und ihren tollen Ideen.

 Ashlyn, genannt Ash, die bei ihrer Großmutter aufwächst und Elfen sehen kann, das darf man diese aber nicht wissen lassen. Dieses Gebot hat ihre Großmutter ihr eingetrichert, denn ahnen die Elfen erst, dass man sie sieht, werden sie richtig gemein. Und obwohl sich Ash daran hält, zieht sie trotzdem die Aufmerksamkeit von Keenan auf sich: Er ist der Sommerkönig und will Ash zu seiner Königin machen. Er hofft, dass sie ihm seine Macht zurückgeben kann, den Bann bricht, den seine Mutter, die Winterkönigin vor neunhundert Jahren über ihn verhängt hat. Blöd für ihn, dass Ash von Beginn an weiß, dass er kein Mensch ist. Noch blöder für ihn, dass ihr Herz bereits einem anderen gehört. Die Elfen von Melissa Marr sind keinesfalls die stolzen, erhabenen Gestalten, wie man sie aus “Herr der Ringe” kennt. Sie sind gemeine Biester, die sich mit allerlei bösem Schabernack die Ewigkeit vertreiben. Ihre bevorzugten Opfer sind ahnungslose Menschen, denen sie an den Haaren ziehen, Stolperfallen stellen – und das sind nur die harmlosen Späße. Das hat mir gefallen, dass die Elfen keineswegs eine Existenz sind, die erstrebenswert erscheint.

 Und nun wollte ich wissen, wie Melissa Marr das Spiel weitertreibt, und habe mir den dritten Band “Für alle Ewigkeit” gekauft. Über etliche Seiten dachte ich, dass es wohl das letzte Buch aus der Sommerlicht-Reihe ist, das ich lesen werde. Es plätscherte vor sich hin, die Geschichte kreiste und kreiste und kreiste um das Beziehungsdreieck Keenan-Ash-Seth und um die Schwierigkeit, menschliches Dasein mit der elfischen Ewigkeit zu verbinden. Ermüdend.

 Tja, und dann schaffte es Melissa Marr, doch noch Fahrt aufzunehmen, die Verwicklungen zu vermehren, Andeutungen fallen zu lassen, die Spannung erzeugen und einen zum Weiterlesen drängen. Am Ende will ich nun doch wissen, wie sie das Geflecht auflöst, gleichzeitig habe ich etwas Bammel vor dem nächsten Band, der vielleicht wieder eine kilometerlange Lunte legt. Das ist mein Problem mit Fortsetzungen, meist sind die einzelnen Teile künstlich in die Länge gezogen. Erst recht, wenn sich der Schreiber wohl nicht im Vorfeld darüber klar ist, wie viele Teile er oder sie schreiben will. Den Verdacht hege ich zumindest seit dem dritten Band der Sommerlicht-Reihe, auch wenn ich weiß, dass Melissa Marr bei Band fünf aufgehört hat. Und natürlich leiden die Fortsetzungen darunter, dass ihre Einfälle nicht mehr frisch sind, dass es ihnen meist an weiteren fehlt, die die Erwartungen nach dem ersten gebannten Leseeindruck erfüllen können. Der Zauber wollte nicht mehr zurückkehren:  Es wird wohl etwas dauern, bis ich das Sommerlicht das nächste Mal einlasse. Wenn ich es denn noch einmal spüren will.

Melissa Marr, Für alle Ewigkeit, Carlsen Verlag

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