Die nächste Herausforderung wartet

Neugier ist doch teuflisch. Als der Rummel um David Foster Wallaces „Unendlicher Spaß“ losbrach, habe ich mich noch ferngehalten. Doch die Neugier war geweckt, doch bisher konnte ich immer wieder gut daran vorbeigehen, war die Verlockung nicht groß genug. Aber meine Neugier war groß genug, um das Hörbuch auszuleihen. Das keine komplette Lesung ist, sondern die Aufzeichnung einer Live-Lesung. Deshalb ist es auch so gut für den Einstieg, ein in gut verdaubaren Häppchen servierter Appetitanreger, der das Verlangen nach mehr weckt. Ich muss also auch dieses Mammutwerk lesen. Dieses verschrobene, verquere, irrsinnige opus magnum, das die unfassbare, globalisierte Gegenwart zwischen zwei Buchdeckel pressen soll und dessen Übersetzung sechs Jahre gedauert hat. Kein Wunder, Wallaces Schachtelsätze zu rekonstruieren dauert einfach eine Weile. Ganz abgesehen von den ausgefallenen Wörtern, die Wallace gern versteckt, wie der Übersetzer Ulrich Blumenbach anmerkt. Auch ist das gewiss kein Roman, den er in einer Nacht geschrieben hat.

Um also herauszubekommen, ob „Unendlicher Spaß“ ein Buch ist, zu dem man greifen will, ist so eine Lesung ideal. Wohl dosiert wird man an ein Werk herangeführt, das eine Zäsur in der Erzähltradition der Gegenwart darstelle. Obwohl ich das für eine überzogene These halte, denn eigentlich ist die Literatur längst so heterogen, das nicht mehr nur eine Erzählweise als die einzig wahre der Moderne gültig ist. Und Wallace Mammutwerk ist gewiss nicht das einzige, bei dem scheitern muss, will man seine Handlung in einen Satz quetschen.

Nun überlege ich, wann ich dieses Mammutprojekt angehe. Und wie. Eins ist klar, Wallce liest man mal nicht eben nebenbei. Irgendwie scheint mir die Idee, eine Challenge auszurufen, eine gute Idee zu sein. Mal sehen.

David Foster Wallace, Unendlicher Spaß, Dhv der Hörverlag

 

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2 Kommentare

  1. Erstellt am April 20, 2011 um 10:02 am | Permanent-Link

    Das ist tatsächlich auch ein Buch, von dem ich immer wieder angezogen werde – mich aber noch nicht dazu hinreißen lassen habe, es zu kaufen.

    Wenn, dann würde ich es auch gerne in englischer Sprache lesen – aber ob dann das Verständnis für die vielen verschachtelten und mehrdeutigen Sätze da wäre sowie die Ausdauer … Das hat mich bisher davon abgehalten.

  2. jenny
    Erstellt am April 20, 2011 um 8:23 pm | Permanent-Link

    Das verstehe ich. Geht mir genauso. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auf Englisch an Wallce scheitern würde. Ich habe zwar Harry Potter oder Lord of the Rings im Original gelesen, aber bei Vanity Fair habe ich die Segel streichen müssen. Ich habe einfach zu viel nicht geschnallt. Und Wallace ist, was ich bisher hören konnte, zu harter Stoff mit zu vielen Nuancen. Die machen es eben erst. Deswegen werde ich es auf Deutsch lesen. Die Frage ist nur wann, das ist ja kein Büchlein für mal eben zwischendurch.

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