Die nächste Prophezeiung kommt bestimmt

Percy ist zurück. Poseidon sei Dank. Oder besser Rick Riordan sei Dank. Gleich fünf Teile schiebt der amerikanische Autor in seiner Jugendbuchreihe um die Halbgötter nach. Ach ja, wer sich fragt, warum er Kinderbücher lesen sollte, kann an dieser Stelle aufhören. Er hat das Kind in sich tief verschüttet oder gar verloren. Da hilft auch alles Erklären nicht, was so toll an Kinderbüchern ist.

Wieder geht es um eine große Prophezeiung, wieder droht der Olymp zu stürzen. Allerdings braucht man einen ganzen Band Geduld bis zum Wiedersehen mit dem herzerfrischend respektlosen Jungen, der einem so ans Herz gewachsen ist, dass man ihn wirklich vermisst hat. Wie sehr, fällt erst auf, wenn man The Lost Hero aufschlägt und Percys Erscheinen ungeduldig entgegen fiebert.

Doch zuerst begegnet man The Lost Hero: Jason. Er erwacht auf einem Schulausflug neben seiner Freundin. Dumm nur, dass er sich nicht an Piper erinnern kann. Auch seinen besten Freund Leo erkennt er nicht. Seine Erinnerungen sind ausradiert. Man ahnt schnell, da hat eine göttliche Macht ihre Hand im Spiel. Ganz schnell wird auch klar, dass Jason ein bisschen anders tickt als die griechischen Halbgötter: Er ist der Sohn von Jupiter, Zeus’ römischer Version. Riordan baut also sein Götterpanoptikum aus. Mehr Götter heißt eben auch mehr Mythen und Gestalten, die er in seine neue fünfteilige Reihe einbauen kann.

Noch etwas ist anders: Riordan legt sich nicht auf eine Perspektive fest. Dicke Letter über jedem Kapitel singalisieren: Jetzt hat Jason das Wort, nun ist Piper dran – oder Leo kommt zu Wort. Das ist kein schlechter Trick, um den Figuren Raum zu geben, um inneren Konflikte und Befindlichkeiten auszubreiten, so dass der Leser Mitgefühl und Sympathie für jeden von ihnen entwickeln kann. Denn Riordan macht es diesmal noch ein bisschen komplizierter: Jeder birgt ein Geheimnis, eine Last, die er mit sich schlepppt, die seine Entscheidungen beeinflusst, die er aber nicht mit den anderen zu teilen wagt. Obwohl das natürlich einiges erleichtern würde. Jeder ist auf seine Art verloren und auf der Suche. Noch deutlicher tritt dies im zweiten Teil The Son of Neptune zutage. Denn der verlorene Held beschreibt nicht nur Jason, sondern auch Percy, den Riordan endlich ins Spiel bringt. Auch er hat seine Erinnerungen verloren. Nur ein Name, ein Gesicht ist ihm geblieben: Annabeth. So wie Jason hat er eine Verbindung zu seinem alten Leben. Nur dass Jason sich an das Gesicht seiner Schwester erinnert. Er landet bei den römischen Halbgöttern, freundet sich mit Hazel und Frank an, die eine Rolle in der großen Prophezeiung zu spielen haben. Und man trifft den einen oder anderen alten Bekannten wieder. Von langer Hand bereitet Riordan seinen Showdown vor: Denn diesmal treten die Halbgötter gegen Gaia an, die Mutter von Kronos, die Mutter der Titanen. Sie will die Götter vernichten und zwar dort, wo alles begann – in Griechenland. Große Dinge werfen also ihre Schatten voraus. In der Zwischenzeit sind die Helden des Olymps aber reichlich beschäftigt: Sie müssen einen Filmstar befreien, gegen Riesen kämpfen, einen Drachen zähmen, den Tod befreien und ein Schiff bauen für die Reise nach Griechenland.

Mit Riordans Büchern wird einem wirklich nicht langweilig. Sie stecken voller Abenteuer, Vorausdeutungen und Geheimnisse, die erst noch gelüftet werden müssen, um alles zu verstehen. Und dann müssen da noch zwei Camps zusammenwachsen, die seit Jahrhunderten, Jahrtausenden verfeindet sind. Eine Menge mutet Riordan seinen Helden zu. An der Stelle habe ich aufgehört. Nicht für immer. Aber ich hasse es, in der Luft zu hängen. Diese Gefahr birgt aber der dritte Teil The Mark of Athena. Deshalb habe ich ihn noch nicht gelesen. Das will ich erst, wenn die letzten drei Teile erschienen sind und ich die Geschichte um Percy, Jason und ihren Kampf gegen Gaia in einem Rutsch zu Ende lesen kann – ohne in der Luft hängen zu bleiben.

 Rick Riordan, The Lost Hero und The Son of Neptune, Hyperion Books, Puffin Books

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