Ein unvermuteter Held

Die Percy-Jackson-Reihe ist aus und ich bin immer noch restlos begeistert. „The Last Olympian“ schließt die Tetralogie um den Halbgott Percy ab. Vorläufig, denn eine neue gewichtige Prophezeiung wird am Ende des Bands geäußert. Eine Fortsetzung erscheint denkbar. Gewaltige, monströse Titanen und Monster tauchen im fünften Band auf. Einige Gestalten werden geläutert, einige Götter erscheinen erschreckend menschlich, wie es sich eben für die Olympier ziemt. Natürlich kommt Percy die Liebe in die Quere, deren bittersüße Seite er bereits im vierten Band schmecken durfte. Das auserwählte Mädchen ist jedoch eine andere, als man zunächst vermutet. Nun ja, die Verfilmung des ersten Bandes hat dies bereits vorweggenommen. Und der Held ist ein unvermuteter, ein bereits abgeschriebener. Es ist alles in allem eine riesige, gigantische Katastrophe, die sich über New York und der menschlichen Welt zusammenbraut. Der auferstandene Kronos, der sich ein menschliches Gefäß gesucht hat, um wieder zu erstarken (vielleicht eine kleine Anleihe bei Frau Rowling), will Stadt und Zivilisation in den Abgrund stürzen. Eine wahrhaft herkulessche Aufgabe für den jungen Helden kurz vor seinem 16. Geburtstag.

Riordan gelingt es auch in fünften Band, die Spannung zu halten. Man kann es kaum erwarten, die nächste Seite umzublättern. Und am Ende des Buches, nach der zweiten großen Prophezeiung dachte ich mir, schön wär’s, noch mehr aus dem Half-Blood-Camp zu lesen. Und, was ich ihm ebenfalls hoch anrechne, er schafft zeitgenössische Familienmodelle: Qua ihrer Geburt sind die Halbgötter ja dazu verdammt, unter Stiefmütter oder -vätern aufzuwachsen. Oder mit einem alleinerziehenden Elternteil. Gerechterweise sind die Stiefeltern selten die bösen aus den Grimmschen Märchen. Sie sorgen sich ebenso um die Kinder. Und können wie in Percys Fall ähnlich gelassen wie seine Mutter mit seinem göttlichen Erbe umgehen. Und den vielen merkwürdigen Dingen, die sich ereignen. Ein weiterer dicker Pluspunkt für die Percy-Reihe: Die antiken Götter sind, wie es eben in ihrer Natur steckt, alles andere als unfehlbar. Dennoch entscheidet sich Percy für ihre Seite, weil sie für die Welt ganz pragmatisch betrachtet die bessere Option sind. Die Welt ist eben nicht schwarz-weiß. Und obendrein findet Riordan einen authentischen jugendlichen Tonfall. Es wirkt nicht aufgesetzt, wenn er seine jungen Helden reden lässt. Das ist eine große Kunst, andere Autoren lassen dafür ihre Töchter mitschreiben, was dennoch total gekünstelt wirkt. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nach den ersten Seiten keine Lust hatte, mehr zu lesen. Zu viele offensichtliche Anleihen, die stümperhaft und gähnend langweilig umgesetzt wurden. Percy Jackson aber – immer wieder gern.

Nur eines bleibt unbeantwortet, was machen die Helden eigentlich nach ihrer ruhmreichen Zeit mit einem total langweiligen Leben ohne tägliche Begegnungen mit Monstern und Ränke schmiedenden Titanen? Joanne K. Rowling hat ja auch nicht viel verraten, dass Harry, Hermione und Ron zwar ihr privates Glück gefunden haben und auf ewig verbunden bleiben, doch was sie sonst so treiben, hat sie leider verschwiegen. Vielleicht, um sich die Option auf weitere Abenteuer offenzuhalten.

Rick Riordan, Percy Jackson – The Last Olympian, Hyperion Books

www.percyjacksonbooks.com

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