Eine unvollendete Geschichte

Alyson Noëls “Evermore” habe ich in einem Rutsch gelesen – und kann dennoch nicht recht sagen, ob ich angetan bin oder nicht. Es ist eine kitschig-schöne Geschichte, genau das Richtige für Twilight-Junkies auf Entzug. Auch wenn Noël eben nicht auf den Vampirzug aufgesprungen ist, geht es bei der amerikanischen Jugendbuchautorin um unsterbliche Liebe. Noël hat einen vielversprechenden Plot angelegt: Die 16-jährige Ever hat bei einem Autounfall ihre Eltern und ihre Schwester verloren. Und sie wäre beinahe selbst gestorben. Danach nimmt sie die Aura der Menschen wahr, die in verschiedenen Farben schimmert, je nachdem, was die Menschen gerade fühlen. (Eine nette kleine Idee). Und Ever hört unaufhörlich die Gedanken der anderen. Ausgerechnet mit den Sex Pistols versucht sie, den Gedankenlärm zu übertönen. Und dann tritt er in ihr Leben: Damen. Der neue Schüler, natürlich unglaublich gutaussehend und wahnsinnig begnadet. Kein Wunder, ist er doch ein Unsterblicher und hat bereits einige Jahrhunderte auf dem Buckel. Und im Gegensatz zum beziehungstechnisch völlig unbefleckten Edward hat Damen tatsächlich eine Vergangenheit – und eine Ex-Ehefrau. Und nicht unbedingt eine von der angenehmen Sorte. Aber das eigentlich Wunderbare an Damen – zumindest für Ever, die ihn zunächst von sich weist – er schaltet die Welt auf stumm. Klar finden sie zueinander, klar nehmen sie dafür einige Umwege. Und da steckt der Hund im Pfeffer begraben. Noël wartet mit einigen wirklich schönen Ideen auf, die aber ausbaufähig bleiben. Sie hetzt einfach zu zügig durch die Geschichte, als hätte sie sich vorgenommen, eine gewisse, vergleichsweise handliche Seitenzahl nicht überschreiten zu wollen. Ihrer Geschichte tut das aber nicht gut, zu unvermittelt gibt Ever Damens Werben nach, zu unmotiviert nimmt die Handlung ihren Lauf. Und viele Aspekte streift Noël wie im Vorübergehen. Noëls Figuren bleiben durch ihre Hast auf der Strecke, sie bleiben nur Stereotypen, nehmen keine rechte Konturen an. Und dabei hat Noël mit dem Clou ihrer Geschichte – es geht um wiederkehrenden Verlust – einen Plot geschaffen, der eine Menge Platz lässt, um die schicksalhafte Beziehung der beiden zu entwickeln. Das ist wirklich schade, denn irgendwie hatte ich mich darauf gefreut, doch nun bin ich unschlüssig, ob ich weiterlesen will. Und in der Regel bleiben die Fortsetzungen unberührt.

Alyson Noël, Evermore – The Immortals, Macmillan Children’s Books

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