Die Erben des dunklen Lords

Ich habe es immer gewusst: Die griechischen Götter sind nicht tot. Sondern quicklebendig und wohlauf. Na ja, fast. Nach Rick Riordans „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ ist mächtig Stimmung im Götterhimmel: Die drei Brüder Zeus, Poseidon und Hades liegen im Clinch. Einer beschuldigt den anderen, und keiner will es gewesen sein. Und wer muss das Ganze ausbaden? Ein unschuldiger, ahnungsloser Junge von zwölf Jahren, der eigentlich eine Menge eigener Probleme hat und keinen Bedarf an welchen göttlichen Ausmaßes. Pech für ihn, dass er ein Halbblut ist, eine Demigottheit, und damit qua Geburt zum Heldendasein verdonnert.

Und zu allem Überfluss ist er nicht der Sohn von irgendeinem Gott, sondern von einem der Brüder, die eigentlich einen Eid abgelegt hatten, keine Kinder mehr mit Sterblichen zu zeugen. Zu mächtig sind ihre Nachkommen, zu gefährlich für die Menschheit. Und einer hat sich nicht an die Abmachung gehalten. Dumm für Percy, der eigentlich Perseus heißt, dadurch steckt er mächtig im Schlamassel und ist bei einigen ähnlich unbeliebt wie Harry Potter bei Lord Voldemort.

„Percy Jackson“ ist die spannendste und unterhaltsamste Einführung in die griechische Mythologie, die ich bisher gelesen habe. Und Riordan zeigt, dass man nicht nur mit Zauberlehrlingen und Vampiren das Publikum bannen kann. Atemlos erzählt Riordan Percys Geschichte, sein Held stürzt von einem Abenteuer ins nächste, begegnet gruseligen Monstern, kreischenden Furien und finsteren Göttern. Überbordend, aber keineswegs überfrachtet ist der Roman. Mit seinen die Götterwelt aufmischenden Einfällen steht Riordan Rowling in nichts nach. Er zeichnet die antiken Götter, wie man sie sich vorstellt, menschlich in manch ihren Verhaltensweisen und dennoch göttlich übermächtig. Und Percy ist ein Junge, der ständig in irgend welchen Ärger gerät, ohne es darauf abgesehen zu haben. Kurzum, er ist ein sympathischer, vom Schicksal gebeutelter – zauberhafte Mutter, ganz mieser Stiefvater – Junge, dem man gern überall hin folgt. Riordan gelingt es, einen glaubhaften Helden wider Willen zu erschaffen, dem gewiss viele Kinder nacheifern. Vor allem aber pflegt Riordan einen angenehmen flüssigen, wohl geschliffenen Stil. Man liest ihn einfach gern, da holpert nichts, und es wirkt auch nicht gestelzt (das Kompliment gilt auch der Übersetzerin Gabriele Haefs). Es gibt wahnsinnig viele Fantasy-Romane – auch Jugendbücher, die mit auf dem ersten Blick grandiosen Ideen daherkommen. Das nützt nur herzlich wenig, wenn sich einem beim Lesen der Magen umdreht, weil die Figuren stereotyp oder Klischees sind, Beschreibungen lächerlich, holprig oder gähnend langweilig. Riordan hingegen hatte nicht nur eine wahnsinnig gute Idee, sondern er hat diese auch erstklassig umgesetzt. Percy scheint mir ein würdiger Harry-Nachfolger. Und was ich ihm hoch anrechne: Er hat nicht einfach versucht, auf den Potter-Erfolgszug aufzuspringen und einen weiteren Zauberlehrling herbeizuschreiben.

Unerträglich ist nur die Warterei auf das nächste Abenteuer von Algenhirn und Neunmalklug. Einmal mehr wünschte ich, Buchläden hätten 24 Stunden am Tag geöffnet.

Rick Riordan, Percy Jackson – Diebe im Olymp, Carlsen Verlag

www.percyjackson.de

www.percyjacksonbooks.com

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