Mein Kindle-Experiment

© jennys bücherecke

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Man hält dieses kleine Ding in der Hand und denkt: Wow, das speichert eine ganze heimische Bibliothek! Ich weiß, meine E-Book-Erfahrung kommt recht spät und sie ist auch nur ein erster Eindruck. Lange habe ich mich gesträubt, obwohl weniger gesträubt, als vielmehr war ich schlicht und einfach desinteressiert. Bücher sind für mich aus Papier, mit Seiten, die man anfassen kann. Das hat sich auch nach dem Wochenende, für das mir eine Freundin ihren Kindle überlassen hat, nicht geändert.

Aber ich sehe durchaus seine Vorteile: Es ist extrem platzsparend, gerade wenn man nur noch auf dem Kindle liest. Es spielt auch keine Rolle, ob man gerade einen schmalen Gedichtband liest oder einen Tausend-Seiten-Wälzer. Gerade beim letzteren sticht so ein E-Book-Reader seine gedruckte Konkurrenz aus: Er ist immer gleich leicht, gleich schmal, die Hand ermüdet nicht so schnell. Überraschenderweise liest sich so ein Kindle auch ganz angenehm, es hat wirklich wenig mit dem herkömmlichen Bildschirmlesen zu tun, das ich in meiner Freizeit so gern vermeide. Gut, ein Härtetest war dieses Wochenende nicht: Für den Balkon war es einfach zu ungemütlich. Aber man braucht definitiv auch keine Festbeleuchtung, um ein E-Book zu lesen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass man beim Lesen eigentlich nie genau weiß, wie weit man ist. Sicher, es gibt diese Prozentangaben in der Fußzeile, aber das ist nicht das selbe, als wenn man ein Buch in die Hand nimmt und sieht, dass das Lesezeichen im ersten Drittel oder im letzten steckt. So hat mich das Ende schon ein wenig überrascht. Huch, das war’s jetzt? Ja, Ende, nur noch das Impressum folgte. Aber davon abgesehen ist ein E-Book-Reader gerade für unterwegs eine prima Sache: Man schleppt keine drei, vier, fünf Bücher mit in den Urlaub. Oder besser, man nimmt sie schon mit, sie passen aber alle ganz wunderbar auf dieses kleine Ding. Vielleicht lege ich mir doch tatsächlich einen zu für den nächsten Urlaub. Aber ganz mag ich dem gedruckten Buch nicht abtrünnig werden. Dafür stehe ich einfach zu sehr auf das Gefühl, Bücher in die Hand zu nehmen, darin zu blättern. Vor und zurück, das geht einfach nicht so elegant mit einem E-Book-Reader. Es gibt gewiss eine Menge Bücher, bei denen es mir nichts ausmacht, dass sie nicht im Regal stehen würden.

Und jetzt wollt Ihr bestimmt wissen, was ich eigentlich gelesen habe: Martin Suter “Der Koch”. Eine durchaus angenehme Lektüre für so verregnete und verschneite Tage. Schließlich geht es viel um die Zubereitung von exotischen Speisen, von essbarer Kunst und ihrer Sinnlichkeit. Obwohl mir letzteres dann doch ein bisschen zu dick aufgetragen war. Auch der Beschreibung der Herrschaftsgefüge in einer Restaurantküche kann ich nicht ganz folgen. Bestimmt gibt es Köche, die sich für Götter halten, aber so verbreitet ist das Phänomen nicht, wie Suter es vermitteln will. Arg krude ist für meinen Geschmack auch das Beziehungsgeflecht, das er spinnt. Aber was man ihm lassen muss: Er hat ein Gespür für seine Figuren und deren innere Logik. Und einen wirklich süffigen Stil. Besonders schön sind jene Passagen, in denen er seinen tamilischen Koch Maravan einfach seiner Leidenschaft nachgehen lässt.

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