Sterben ist scheiße, zurückbleiben auch

© jennys bücherecke

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Hazel Grace und Augustus sind ein wunderbares Paar. Sie lassen sich ganz aufeinander ein, sie nehmen den anderen mit all seinen Macken an. Sie sind unsterblich ineinander verliebt – doch ihre Chancen stehen noch schlechter als die von Romeo und Julia.

John Green ist mit “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” ein Wahsinnsbuch gelungen. Es schnürt einem die Kehle zu, es liegt einem bleischwer auf der Brust und dennoch muss man es lesen. Bis zum bitteren Ende. Obwohl man von Anfang an weiß, dass das kein Stoff für ein Happy End ist.

Hazel Grace und Augustus sind Krebskinder. Seit drei Jahren geht Hazel nicht mehr zur Schule, weil sie nicht mehr richtig gesund werden wird, weil sie nicht mehr ohne Sauerstoffflasche leben kann. Augustus’ Aussichten sind besser, er hat zwar ein Bein verloren, aber seine Heilungschancen stehen bei achtzig Prozent. Sie begegnen sich in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Kinder und Jugendliche – buchstäblich in Jesus’ Herzen.

Filmreif ist ihre erste Begegnung, sie starren sich einfach nieder. Es ist der federleichte Zauber der ersten Liebe, die John Green mit den beiden einfängt. Doch er bürdet ihnen eine ziemlich schwere Last auf. Hazel will Augustus vor dem Schmerz des Verlustes schützen, da braucht der schlaksige Kerl mit den unglaublichsten blauen Augen schon etwas Überzeugungskraft und die Hilfe der Feen.

So wahnsinnig lesenswert macht diesen Jugendroman – auch für Erwachsene, der Tonfall, den Green wählt. Er ist nicht pathetisch, er drückt nicht auf die Tränendrüse. Das hat er mit dieser Geschichte auch nicht nötig. Green zeigt starke junge Menschen, die kämpfen, die ob ihrer Tapferkeit immer wieder gehuldigt werden, die sich aber gar nicht so tapfer fühlen. Welche Alternative haben wir denn schon, fragt Hazel. Sie hat recht, wenn du drin steckst, machst du weiter. Aber ihre Krankheiten unterscheidet die beiden auch von gesunden Jugendlichen. Sie haben dem Tod bereits ins Auge gesehen, sie haben sich bereits mit ihrer eigenen Sterblichkeit befasst, sie müssen sich tagtäglich damit befassen – und nehmen das Leben, ihr Leben die meiste Zeit mit Humor. Sie leben bewusster und lieben bewusster. Das macht die Liebensgeschichte von Hazel und Augustus so besonders.

Als sie sich kennenlernen, erzählt Hazel von ihrem Lieblingsbuch: “Ein herrschaftliches Leiden”. Die Geschichte eines kranken Mädchens, ein Roman, der mitten im Satz endet. Seit sie es das erste Mal gelesen hat, will sie wissen, wie es weitergeht – vor allem mit der Mutter. Aus gutem Grund, sie will wissen, ob ihre Mutter ihren Tod überstehen wird. Augustus lässt sich anstecken. Sie machen sich auf zum Autor, der in Amsterdam lebt, um von ihm die Antworten, die sie sich so dringend erhoffen, zu erhalten. Na ja, erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Auch für Hazel und Augustus entwickeln sich die Dinge unerwartet und sie bekommen die Antworten – nicht unbedingt an dem Ort und zu der Zeit, die sie denken. Und sie lernen, dass das Schicksal, das sie in Gestalt von Isaac zusammengebracht hat, ein mieser Verräter ist.

John Green, Das Schicksal ist ein mieser Verräter, Carl Hanser Verlag

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