Wenn die Schlange den Panther liebkost

Mafia und Mythen vermischt Kai Meyer in seiner Arkadien-Trilogie. Die Hörfassung liest der unvergleichliche Andreas Fröhlich. Als ich den ersten Band „Arkadien erwacht“ in der Bücherei entdeckte, konnte ich einfach nicht widerstehen. Aus zweierlei Gründen: erstens wegen Andreas Fröhlich, ich höre ihm zu gern zu, zweitens war ich neugierig auf die neue Reihe, ob sie es mit den Wellenläufern aufnehmen kann oder mich ähnlich enttäuscht wie „Seide und Schwert“. Dieser Roman hatte mich dermaßen gelangweilt, dass ich ihn nicht zu Ende gelesen habe. Um es kurz zu machen: Die Arkadien-Reihe hat mich nicht enttäuscht, sie war außerdem genau das richtige Maß an spannender Unterhaltung leicht verdaulicher Art, das ich zu der Zeit gebraucht habe.

Erstaunlicherweise hat der Hörbuchverlag an Fröhlich festgehalten, obwohl Kai Meyer sich für eine weibliche Hauptfigur entschieden hat. Rosa al Cantara begegnet der Leser zuerst am Flughafen. Das magere, siebzehnjährige Mädchen ist auf dem Weg von New York nach Sizilien. Ziemlich von den ersten Sätzen an ist klar, dieses Mädchen ist reichlich gestört. Aber eben keine unsympathische Gestörte, sie trägt nur schwer an einem dunklen Geheimnis, das der Leser noch in den ersten Kapiteln erahnen kann. Doch Meyer lässt sich Zeit, die gesamten Zusammenhänge aufzudecken. Natürlich gibt es auch einen Jungen, einen unglaublich schönen Jungen: Alessandro Carnevare. Doch die beiden sind nicht nur zwei junge Leute mit italienischen Wurzeln, die sich zufällig begegnen. Sie gehören beide Mafia-Clans an – verfeindeten obendrein. Das ist also die Romeo-und-Julia-Komponente von Meyers aktueller Trilogie. Damit sind die Probleme der beiden, die sich unverhofft an der Spitze ihrer Clans wiederfinden, nicht erschöpft. Denn es gibt in Meyers Mafia-Mär Clans, die aus einer längst untergegangenen, der Legenden anheimgefallenen Gesellschaft entstammen und mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet sind: Die arkadischen Dynastien sind Gestaltwandler. Rosa und Alessandro verwandeln sich in Schlange und Panther. Ein Bild von einer den Panther umarmenden Schlange deuten die beiden als Prophezeiung ihrer Liebe und beginnen, in der Vergangenheit ihrer Familien und der Geschichte Arkadiens zu graben.

Das ist nicht allen recht. Die beiden werden verfolgt – von der Polizei, ihren eigenen Leuten und Mitspielern, die sie noch nicht einordnen können. Vor allem wissen sie nicht, wem sie vertrauen können. Eine verfahrene Geschichte, die Meyer ausgesprochen spannend und liebevoll erzählt. Er hat ein Händchen für seine Figuren, Rosa erobert das Herz des Lesers im Sturm, weil sie eigenwillig ist, unsicher und Prinzipien hat, an denen sie auch als Clan-Oberhaupt festhält. Mit ihren Ecken und Kanten ist sie einfach sympathisch. Alessandro wirkt zunächst wie der stereotype, zwielichtige Geheimnisvolle. Letzteres bleibt über die drei Bände: Er lässt sich ungern in die Karten schauen, aber er hat das Herz am rechten Fleck, da sieht man ihm die überirdische Schönheit nach. Einige ihrer Feinde bleiben furchtbar finstere Gestalten, das lässt sich aber wohl kaum vermeiden, denn Meyer bleibt konsequent bei Rosa, um sie kreisen alle anderen Figuren.

Meyer hat mit seiner Arkadien-Trilogie nicht nur geschickt Cosa Nostra und Atlantis miteinander verwoben, er macht einen zudem süchtig nach dieser Geschichte. Ich war nach dem Hören des ersten Bandes so angefixt, dass ich nicht darauf warten konnte, bis die Bücherei die Fortsetzungen angeschafft hatte, ich musste gleich weiter hören. Seinen Teil dazu hat gewiss Andreas Fröhlich beigetragen, dessen warmer Stimme ich tagelang lauschen mag, ohne mich an ihr satt zu hören.

Anfangs war ich zugegebenermaßen etwas skeptisch, ob diese Verbindung moderner und antiker Mythen gelingen kann. Sie funktioniert – natürlich nur für jene, die auf fantastische Geschichten stehen. Und eine romantische Ader brauchen die Leser obendrein, schließlich ist die Arkadien-Reihe vom Grundsatz her eine Liebesgeschichte.

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