Wilder Ritt durch die Wüste

Die Ära der Trilogien dauert wohl noch ein Weilchen an. Autor Christopher Paolini hat seine angekündigte Eragorn-Trilogie inzwischen zu einer Tetralogie ausgedehnt. Das ist immerhin etwas Neues. Kai Meyer bleibt beim Dreier – erstmal. „Die Sturmkönige“ heißt sein Fantasy-Werk. Ins „Dschinnland“ entführt der erste Band. Wie der Titel bereits andeutet, entführt der deutsche Erfolgsautor seine Leser diesmal in den Orient, in die Welt der Kalifen, Dschinns und fliegenden Teppiche. Genauer gesagt nach Bagdad, Samarkand und die Wüste zwischen den beiden Städten.
„Die Sturmkönige“ ist kein Kinderbuch, sondern richtet sich an die fortgeschrittenen Fantasy-Leser. Meyer bestimmte weder den Jungen, der sich als Zauberer entpuppt, noch den jugendlichen Drachenreiter zum Helden seiner Trilogie. Meyers Hauptfigur Tarik ist 28 Jahre alt und bereits am Ende angekommen. Tarik ist der typische Held wider Willen, eine gebrochene Gestalt, desillusioniert, hoffnungslos, verzweifelt. Und es gibt etwas, dass er wirklich gut kann. Weil wir in einem altertümlichen Orient sind, sind es weder Autos noch Computer, die er beherrscht: Tarik ist der beste Teppichreiter Samarkands. Nur hat der Kalif von Samarkand das Reiten auf dem Teppich verboten. Bekanntermaßen lässt die Katze das mausen nicht, so halten es auch die Teppichreiter. Sie treffen sich zu geheimen Rennen, mit ihnen verdient Tarik das Geld für den schlechten Wein, in dem er sein Unglück ertränkt.
Diese Fähigkeit ist es, die die geheimnisvolle Sabatea auf ihn aufmerksam macht. Sie sucht einen Weg, um sicher nach Samarkand zu gelangen. Die Wüsten zwischen Samarkand und Bagdad sind in Feindeshand, beherrscht von den Dschinnen und anderen grausigen Kreaturen. Meyers Dschinne räumen mit der Illsuion vom märchenhaften Flaschengeist auf. Als Tarik Sabatea widersteht und sich weigert, sie nach Bagdad zu fliegen, wendet sie sich eben an den zweitbesten der Zunft: Junis, Tariks jüngeren Bruder, der ihm nicht vergeben kann, dass er Maryam, die große Liebe der beiden in der Wüste verloren hat. Damit hat Meyer seinen spannungsgeladenen Plot angerührt, aus der er eine mitreißende Geschichte formt, die süchtig macht. Einiges ahnt man lange voraus, wie etwa Sabateas Geheimnis, dennoch gelingt es dem Schöpfer der Wellenreiter, auch in seinem neuen Roman den Spannungsbogen zu halten und weiter zu spannen. Ein modernes orientalisches Märchen hat Meyer geschrieben, mit den besten Voraussetzungen, für eine weitere erfolgreiche Fantasy-Trilogie. Wer allerdings Cliffhanger schwer ertragen kann, sollte sich gleich mit allen drei Bänden eindecken.

Kai Meyer, „Die Sturmkönige – Dschinnland“, Gustav Lübbe Verlag
www.sturmkoenige.de

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